Mittwoch 10. März 2010 von Kimi

Als Abenteuerin im Herzen, war ich schon an vielen Orten dieser Welt. Viele Orte die mich magisch anziehen und ich immer besuche, wann immer nur möglich.
Können Städte erotisch sein? Absolut!
Ein solches Gefühl übermannt mich jedes Mal, wenn ich “Venedig” besuche. Für mich hat Venedig eine stark erotische Ausstrahlung, ich kann es mir auch nicht erklären. Venedig wäre, falls in Geschlechter einteilbar, eine 100%ige mondäne Dame, eine Geliebte, die je nachdem wie man sie behandelt, ob mit Ehrfurcht, Respekt, Demut – vor Ihrer Schönheit oder Blindheit ihrer wahren Schönheit gegenüber, den Besucher genau das erleben lässt, was er verdient, vielleicht was er möchte. Die perfekte Geliebte also, so erscheint es mir, so fühle ich sie, diese Stadt, mal launisch, mal strahlend schön, verschliessen an manchen Ecken, aber immer immer sehr geheimnissvoll. Kleine Kramerläden, viele Brücken und in Gegenzug dann wieder super exklusive Geschäfte, ich liebe es so. Schmale Gässchen, in denen ich mich schon 100x verlaufen habe, um mich dann auf einmal an einem total verwitterten Gebäude wiederzufinden, völlig verschlagen von außen.
Ich trat also ein, um nach dem Weg zu fragen und befand mich, total unerwartet in einem wunderschönen, antiken Palast, einen alten Dogenpalast wie ich später herausfand, mit kostbarsten Mobiliar, viel Samt und dunkelroten Wänden und da war ER! Ich hatte mich total verlaufen, wollte mein Venedig allein auskundschaften, allein das Feeling einatmen, dass die Stadt so intensiv verströmt und mich süchtig macht. Es war ungefähr 8.30 Uhr am Morgen und ich dachte mir nichts dabei einzutreten, denn die Tür stand halb offen (so als würde ich erwartet, dachte ich oft DANACH)
und ich wusste wirklich nicht mehr weiter. Nun jedoch, da ich mich auf einmal aus dem nebeligen Frühmorgen kommend, in einem völlig fremden Haus befand, noch dazu so wunderschön, war ich furchtbar verlegen. Ich fand mich wieder, in einem unendlich langen Flur eines alten Palastes, ziemlich verhauen von außen, irgendwie hatte ich sowieso nicht damit gerechnet jemand anzutreffen, als ich mich suchend umsah, um dann jedoch furchtbar zu erschrecken, als ich auf einmal in ca. 5 Meter Entfernung einen Herren im seidenen dunkelblauen Morgenmantel! auf der Treppe stehen sah, besser gesagt, er lehnte an der Brüstung und sah mich einfach ein wenig spöttisch an, als ich ihn entdeckte. Ich entschuldigte mich, sprach 1000 Worte in eine Sekunde, so kam es mir vor, um zu erklären, dass ich keine Diebin sei, mich nur wegen des Nebels total verlaufen hätte und nun verzweifelt den Weg zurück ins Viertel Dorsoduro suche, ich bitte vielmals um Entschuldigung.Wie er mich so ansah, so spöttisch, so durchdringend, ein großer, schlanker, sehr ansehnlicher Mann, wurde ich nur noch verlegener und fühlte mich ziemlich dumm, -typisch Touristin wird er denken- dachte ich. Schwupps, schon hatte ich wieder umgedreht um mehr oder weniger aus dem Haus zu rennen, als er hinter mir her rief. Signorina, rief er…. Aspetta. Er fragte mich, mit diesem spöttisch, lächelnden Mund, ob ich einen Espresso wolle, er sei gerade auf dem Weg zu Küche. Fast wie in Hypnose ging ich mit. Eine uralte echt-venezianische Küche, unaufgeräumt,jedoch, mit edelstem Geschirr, ich fühlte mich 1 Jahrhundert zurückversetzt. Nun, ich trank den Espresso, noch immer ein wenig verlegen, wegen meines Eindringens, beantwortete all seine Fragen, die er bezüglich meiner Person hatte und wollte mich wieder verabschieden. Er fragte, ob ich das Haus sehen wollte. Natürlich wollte ich das! Wann sonst, würde ich jemals wieder die Gelegenheit haben, solch einen alten Palazzo von innen zu sehen, direkt am Canale Grande, eines der ältesten Palaste Venedigs, so erklärte er mir. Meine Knie schlottern zusehends mehr, ich konnte mich nicht erinnern, jemals zuvor in meinem Leben einem so attraktiven Mann, mit solch einer erotischen Ausstrahlung begegnet zu sein.
Ich wurde mehr und mehr verlegen, fühlte mich wie ein Teenie. Seine Familie sei auf Capri fü einige Tage, erzählte er, um den anstehenden Rummel wegen des venezianischen Karnevals zu entfliehen.
Eigentlich war fast schon alles gesagt, obwohl ich in den letzten Minuten fast nicht mehr geredet hatte, aber die körperliche Spannung zwischen uns beide war definitiv auf Hochspannungsniveau. Hätte ich meinem Gefühl dann und dort einfach nachgegeben, so hätte ich mich am liebsten gleich dort in der Küche auf dem Fliesenboden von ihm vögeln lassen, ihn gevögelt, dass uns beiden das Hirn weg bläst, ich verspürte so eine unbeschreibliche Lust, Gier, nach Sex, vielleicht nach diesem Mann, diesem Haus, dem Unbekannten.
Er war, so schätze ich Anfang 40. Die Hausführung dauerte mindestens 45 Minuten, da er mir zu jedem Bild, dass auch nur irgendwo hing, oder stand, eine ausführliche Beschreibung gab, er nahm einfach meine Hand und zog mich hinter ihm her, willenlos, was ist nur mit mir los, nehm Dich zusammen, so dachte ich und doch konnte ich dem Feeling nicht entkommen.
Nun die Führung war beendet, das Haus, der Palazzo wunderschön, so schön, dass ich ganz andächtig geworden war. Ich musste mich verabschieden. Bedankte mich, für den Kaffee, die spontane Gastfreundschaft, die Wegbeschreibung zurück, Führung und überhaupt alles… Er nahm meine Hand und ließ sie nicht mehr los, machte mir kleine Komplimente zurück und sagte, dass er mich gerne am Abend zum „Cena“ abholen würde, wenn okay mit mir.Wir verabredeten uns für 8 Uhr vor meinem Hotel und ich verließ das Haus. Boy, war ich aufgeregt. Zitterte beim Heimgehen, aber nicht vor Kälte, sondern vor Vorfreude, Aufregung, ach ich weiß nicht was. So aufgeregt. Ich kann die Aufregung noch heute, in diesem Augenblick spüren, als wäre es vor 5 Minuten gewesen, so intensiv war sie.So ein Gefühl hatte ich bis dato noch nie erlebt, nicht in diese Richtung, die ich selber nicht definieren konnte, aber ich ahnte, dass der kommende Abend unbeschreiblich werden würde und ich freute mich sehr darauf..
Kimi (geschrieben 26. Januar 2007)